Welche Strategien verfolgen Schweizer Fussballvereine mit Esports?

April 23, 2017

Esports ist ein attraktiver Markt und wächst rasant. Dies haben auch Schweizer Fussballvereine erkannt und Esports Abteilungen gegründet. Dabei sind sie jedoch sehr unterschiedlich vorgegangen.

 

In einem ersten Artikel haben wir geklärt, warum sich Schweizer Fussballclubs für Esports interessieren. Für den Einstieg haben sie verschiedene Strategien verfolgt:

 

Die Vorsichtigen
Der FC St.Gallen und FC Luzern haben, wie der VfL Wolfsburg, lediglich FIFA Spieler verpflichtet. Die FIFA Esports Szene ist jedoch, an den Zuschauerzahlen gemessen, im Vergleich mit anderen Esports Titeln sehr klein. Dementsprechend günstig sind die Spielerlöhne. Die Strategie der Clubs ist also sehr vorsichtig: Man hält die Kosten tief und minimiert das Risiko, bei den eigenen Fussballfans auf Ablehnung zu stossen. Zweites kann man damit begründen, dass der Unterschied von Fussball zu virtuellem Fussball geringer ist, als zu einem Fantasy-MOBA oder Egoshooter. Dieser Weg hat natürlich auch Nachteile: Die bereits erwähnten vergleichsweise tiefen Zuschauerzahlen von FIFA führen zu einer geringen Sichtbarkeit einer Organisation. Als Folge daraus erreicht man nur wenig neue Fans und erzielt nur einen geringen Mehrwert für Sponsoren. Der FCSG hat als First Mover jedoch sicher auch von der erhöhten Medienaufmerksamkeit profitiert, die jedoch nur kurzfristig anhielt.

 

All-in

Der FC Schalke und Paris Saint-Germain haben mit ihrem Einstieg innerhalb der Esports Szene für viel mehr Furore gesorgt. Nicht nur, weil zwei weitere berüchtigte Clubs den Esports für sich entdeckt haben, sondern auch durch die Auswahl der Game Titel. Schalke und PSG haben sich beide einen Platz in der grössten Esports Liga, der League of Legends Championship Series (LCS) gekauft. Sie mussten Investitionen im (hohen) sechsstelligen Bereich tätigen, hatten dafür plötzlich auch ein Millionenpublikum für ihren Brand und ihre Sponsoren. Das Schweizer Pendant zu Paris ist Lausanne Sport. Die Romands haben sich entschieden, von Beginn an Teams in mehreren Game Titeln zu verpflichten, wie dies auch die traditionellen Esports Organisationen machen. Sie haben ausserdem erfahrene Esports Manager ins Boot geholt und diesen ein Budget zur Verfügung gestellt, um einige der besten Schweizer Athleten verpflichten zu können. Diesen grossen Schritt haben sie geschafft, indem sie eine bestehende Esportsorganisation inkl. aller Athleten und Staff übernommen und rebrandet haben.

 

Ungewiss

Servette FC wählte einen eigenen Weg. Im März hat Servette angekündigt, ein Overwatch, Rocket League und Hearthstone Team aufbauen zu wollen. Sie seien schon im Rekrutierungsprozess, wollten das Line-up aber erst im Herbst vorstellen. Es ist gut möglich, dass Servette nicht Top Teams aufkaufen, sondern auf den lokalen Nachwuchs setzt. Ähnlich ist auch Valencia CF vorgegangen, die keine Stars, dafür aber konsequent nur nationale Athleten verpflichtet haben. Damit können sie relativ günstig eine Nische besetzen und trotzdem regional Medienaufmerksamkeit erhalten. Weiteres von Servette werden wir Mitte Mai erfahren. Zudem wird auch beim FC Basel das Thema Esports aktuell heiss diskutiert – wir sind gespannt, was für einen Weg sie wählen werden.


Der nächste Artikel dieser Reihe zeigt die Herausforderungen im Esports, mit denen ein Fussballclub konfrontiert wird.

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